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Geschichte

Die ältesten Menschheitsspuren im Cilento sind eine halbe Million Jahre alt. Zahlreiche Funde rühren aus der mittleren Alt- und Jungsteinzeit, als natürliche Karstgrotten den Menschen als Wohn- und Lagerstätten dienten. Damals schon besaß der Cilento eine Schlüsselstellung im überregionalen Handelsverkehr, wie Obsidianfunde von den Liparischen Inseln und Keramiken aus Apulien belegen.

Große Geschichte schrieben die Griechen ab dem 7. Jh. v. Chr. mit der Gründung von Poseidonia, dem später lukanischen, dann römischen Paestum. An der Mündung des Sele berührten sich damals die etruskische und die griechische Welt. Mitte des 6. Jh. v. Chr. gründeten Griechen aus Kleinasien die Stadt Elea. Ihre Philosophen- und Ärzteschule erlangte große Bedeutung und lebte im Mittelalter in der Medizinschule von Salerno fort. Die dorischen Tempel von Paestum und das antike Velia wurden übrigens, wie auch die Kartause von Padula im Vallo di Diano, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. In den unsicheren Zeiten der Spätantike wurden die Küstenstädte verlassen und es entstanden die zahlreichen mittelalterlichen Städtchen im Landesinneren.

Die neapolitanischen Sanseverino herrschten als Feudalherren jahrhundertelang über den Cilento, und auch die Benediktinerabtei von Cava dei Tirreni übte ihren Einfluss aus. So geht das mittelalterliche Städtchen Castellabate auf den Bau eines Kastells zurück, der zum Schutz der zerstreut lebenden Bevölkerung 1123 von Costabile Gentilcuore, dem vierten Abtder Abtei von Cava, errichtet wurde. Um die Bevölkerung rechtzeitig vor Piraten zu warnen, wurden entlang der Küste sogenannte Sarazenentürme errichtet.

Die Unterdrückung durch die Barone machte im 17. Jh. viele landlose Tagelöhner zu Briganten. Im 18. und 19. Jh. beteiligte sich auch die Bevölkerung des Cilento an den revolutionären Aufständen gegen die Bourbonen (siehe "Kultur – Kino"). Eine neue Welle der Unterdrückung war die Antwort. Bei der Wahl "o brigante, o migrante" entschieden sich Ende des 19. Jh. viele für die Auswanderung nach Süd- oder Nordamerika. Zurück blieben oft Frauen, kleine Kinder und Alte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfasste auch den Cilento die zweite große Auswanderungswelle – diesmal Richtung Mitteleuropa. Seit den 1980er Jahren sind viele Emigranten, z. T. auch die Kinder oder Enkel von Emigranten, zurückgekehrt. Sehen sie im Tourismus eine Chance? Ob es dem Cilento, seinen Menschen (und seinen Behörden) wirklich gelingen will, die Nationalparkidee, eine an ökologischen Prinzipien ausgerichtete Landwirtschaft und nachhaltigen Tourismus zu einem erfolgreichen Wirtschaftsmodell zu verknüpfen, bleibt eine offene Frage.

Lukanien oder Basilikata? Und wo liegt Italien?

Das antike Lukanien umfasste das Territorium der heutigen Basilikata sowie des sich westlich anschließenden Cilento in Kampanien. Der Name leitet sich entweder vom ursprünglichen Waldreichtum der Region (lat. lucus für Wald) ab, oder bezieht sich auf die im 5. Jh. v.Chr. aus dem Norden eingewanderten, mit Namen aber erst im 4. Jh. v.Chr. belegten
Lukaner. In augustäischer Zeit wurde die italienische Halbinsel in 11 Regionen aufgeteilt, benannt nach den ursprünglich
dort siedelnden Völkern. Die heutigen Regionen Basilikata und Kalabrien waren entsprechend zur III. Regio Lucania et Bruttii zusammengefasst. Der Name Basilicata tauchte zum ersten Mal Mitte des 12. Jh. in einem normannischen Dokument auf, bezeichnete aber bereits seit dem 10. Jh. die damals von einem byzantinischen Hofbeamten (griech.
basilikós) verwaltete Region. Unter Mussolini, dessen Propaganda die Wiedergeburt des römischen Imperiums im faschistischen Italien feierte, erhielt die Region im Jahr 1932 ihren antiken Namen Lucania zurück. Seit 1947 heißt die Region offiziell wieder Basilicata. Die Adjektive basilicatese oder basilisco konnten sich gegenüber lucano jedoch nie
durchsetzen und auch die Bewohner bezeichnen sich selbst als lucani. Dem schließen wir uns an und sprechen von "Lukanern" und "lukanisch".

Kurioser verhält sich die Sache mit Kalabrien. Geografisch betrachtet ist die Region ein Teil Italiens, trotzdem lag Italien in Kalabrien. Das Paradox erklärt sich schnell. Die Griechen der Antike nannten das heutige Kalabrien Oinotria oder in Erinnerung an den mythischen Herrscher Italos Italia (Vitalia). In römischer Zeit hieß die Region nach dem Volksstamm der Bruttier Bruttium, während Italia nach und nach die gesamte Apenninenhalbinsel bezeichnete. Im Zuge der byzantinischen Verwaltungsgliederung wurde im 7. Jh. die Bezeichnung Calabria von der salentinischen Halbinsel in Apulien, der sie seit der Antike angehörte, auf die Stiefelspitze übertragen. Ein Blick in einen historischen Atlas zeigt, dass die Regionen Molise und Apulien in augustäischer Zeit zur II. Regio Apulia et Calabria gehörten.

Enotrer, Bruttier und Lukaner

Unter Berufung auf Aristoteles berichtet der antike Historiker Dionysios von Halikarnassos, dass 17 Generationen vor dem Ausbruch des Trojanischen Krieges Arkadier unter ihrem Anführer Enotros von der Peloponnes an die Südspitze der Apenninenhalbinsel auswanderten. Ein Nachfahre des Enotros, König Italos, soll über den Landstrich zwischen den Golfen von Sant’Eufémia und Squillace geherrscht haben. Archäologen konnten die Einwanderung eines indogermanichen Volksstamms um das 16. Jh. v.Chr. belegen, und fanden zahlreiche Hinweise auf einen regen Kulturaustausch mit dem mykenischen Griechenland. Die Enotrer kontrollierten lange Zeit den Warenverkehr zwischen Ionischem und Tyrrhenischen Meer. Die griechischen Siedler des 8. Jh. v.Chr. nannten das Gebiet der heutigen Basilikata und Kalabriens Oinotria, Weinland, oder Italia. Funde aus enotrischer Zeit sind z.B. im kleinen, aber sehenswerten Museum in Tórtora an der Costa dei Cedri zu sehen.

Mitte des 5. Jh. v.Chr. wurden die inzwischen hellenisierten Enotrer von kriegerischen Lukanern überrannt. Es ist ungeklärt, ob es sich um die Nachfahren der aus Kleinasien eingewanderten Lyker oder um einen samnitischen Stamm aus Mittelitalien handelte. Grabmalereien in Paestum verraten viel über das Leben und den Totenkult dieses Volkes. Bei Serra di Váglio in der Basilikata sind eine Festungsstadt und ein bedeutendes Heiligtum der Lukaner zu sehen.

Um die Mitte des 4. Jh. v.Chr. trennte sich der Stamm der Bruttier von den Lukanern und siedelte im heutigen Kalabrien mit Cosentia (Cosenza) als Hauptstadt. Eindrucksvolle Ruinen einer bruttischen Stadt kann man bei Paludi in der Nähe von Rossano besichtigen. Im Verlauf des 4. und 3. Jh. v.Chr. eroberten Bruttier und Lukaner eine Reihe griechischer
Poleis. Im 3. Jh. v.Chr. griff Rom in die Kämpfe ein und sicherte sich die Vorherrschaft in Unteritalien. Nach dem Sieg Hannibals 216 v.Chr. bei Cannae schlugen die von Rom unterworfenen Samniten, Lukaner und Bruttier sich auf die Seite der Punier und wurden nach dem endgültigen Sieg der Römer dafür hart bestraft. Im 2. Jh. v.Chr. war der Süden Italiens fast vollständig romanisiert. Den letzten Sieg trugen die friedliebenden Enotrer davon, denn seit der Zeitenwende trägt die Apenninenhalbinsel den Namen ihres Königs Italos.

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